Garten 10: Was bleibt, wenn nichts bleibt

Themengarten der Janisch GmbH gemeinsam mit der Universität Hannover

Matters of Soil - 
Was bleibt, wenn nichts bleibt?

Im Rahmen des Masterprojekts „Was bleibt, wenn nichts bleibt?“ setzten sich acht Landschaftsarchitektur-Studierende der Leibniz Universität Hannover intensiv mit dem Thema „Care“ in der Landschaftsarchitektur und den Prinzipien des Zirkulären Bauens auseinander. Ziel war es, theoretisches Wissen in eine praktisch greifbare Gestaltung zu übersetzen und so einen Beitrag zur Landesgartenschau 2026 in Bad Nenndorf zu leisten. In Kooperation mit der Firma Janisch Garten- und Landschaftsbau, die den Studierenden die Möglichkeit bot, sich aktiv an der Planung und späteren Umsetzung des Schaugartens zu beteiligen, wurde ein intensiver Entwurfs- und Reflexionsprozess angestoßen. Auf diesem Weg entstand im Sommersemester 2025 ein Gesamtentwurf, der gesellschaftliche und ökologische Fragen in den Mittelpunkt stellt und dabei das Experiment wagt, das Potenzial aus den Ressourcen vor Ort auszuschöpfen.

Der Entwurf

Im Fokus des Entwurfs steht der Boden, denn er ist es, was nach einer Veranstaltung wie der Landesgartenschau noch bleibt. Zudem ist der Boden die Grundlage allen Lebens und wird doch oft nicht als solche gesehen. Genau deshalb rückt dieser Garten den Boden bewusst in den Fokus.
Ziel des Entwurfs war es, das zur Verfügung stehende Bodenmaterial zu nutzen und in Szene zu setzen. Außerdem werden hauptsächlich recycelbare Materialien statt Verbundwerkstoffe, wie zum Beispiel Beton, genutzt. So wird sichergestellt, dass möglichst wenig in den Boden eingegriffen und dieser achtsam genutzt wird.
Mit Blick auf die Gestaltung des Themengartens lassen sich drei große Bereiche definieren: der Abbauraum, der Erosionsraum und der Sukzessionsraum. Die einzelnen Bereiche sind durch einen barrierefreien Rundweg aus Schotterrasen miteinander verbunden und ermöglichen den Besuchenden so ein angenehmes Erleben der Fläche. Die einzelnen Räume können zusätzlich individuell über Trittsteinplatten erkundet werden. Jeder Raum setzt den Boden auf eine eigene Art und Weise in Szene. Das Hauptgestaltungselement sind Blöcke aus gestampfter Erde, die in den einzelnen Räumen unterschiedliche Funktionen übernehmen und andere Wirkungen erzeugen.

Der Abbauraum

Der Abbauraum dient als Ort der Materialgewinnung. Zugleich soll an dieser Stelle verdeutlicht werden, inwiefern der Mensch durch sein Handeln, zum Beispiel mit seinen Baumaßnahmen, in die Umwelt eingreift und endliche Materialvorkommen (mehr oder weniger rücksichtslos) verbraucht. Beim Aushub des Bodens wurde in den Hang hineingearbeitet. Dadurch bildet sich eine Erdkante, die den Besuchenden einen Blick in das Bodenprofil ermöglicht. Der Abbauraum wurde mit mehreren Bänken aus gestampfter Erde ausgestattet und an vereinzelten Stellen mit Stauden bepflanzt. Senkrecht aufgestellte Erdquader dienen als skulpturale Elemente und geben dem Raum Struktur. Da der Abbauraum nach dem Erdaushub überwiegend unbepflanzt bleibt, dient er im Zusammenspiel mit seiner Ausstattung als Aufenthaltsraum.

Der Erosionsraum

Der Erosionsraum führt den Besuchenden die begrenzte Haltbarkeit der Erdblöcke aufgrund des natürlichen Zerfalls des Bodens vor Augen und dient so gleichermaßen als „Experimentierraum“ zur Haltbarkeit der Erdblöcke. In diesem Raum wurden Quader verschiedener Größe hügelartig in drei Kompositionen angeordnet. Zwei der „Erdblock-Hügel“ wurden direkt nach Abschluss der Bauphase im September 2025 mit einer Plane abgedeckt und erst nach einigen Monaten wieder aufgedeckt. Auf diese Weise können verschiedene Erosionsstadien der gestampften Erdblöcke nebeneinander gezeigt werden. Die Restfläche zwischen den Hügeln wurde bepflanzt. Bei der Auswahl der Pflanzen handelt es sich um Arten, deren Wildform bereits vor der Landesgartenschau auf der Fläche zu finden war. Um den Blühaspekt der Pflanzung zu verstärken, wurden einige Arten ergänzt.

Der Sukzessionsraum

Der Sukzessionsraum wird gestalterisch ebenfalls durch Hügel aus Erdblöcken geprägt. Diese skulpturalen Erdblockformationen sind den Wettereinflüssen und der Zeit ausgesetzt. Den Sukzessionsraum zeichnet aus, dass die Wiese während der Bauphase nur minimal von Baumaschinen befahren wurde. Anders als in den übrigen Bereichen des Themengartens sollte der Oberboden hier nicht abgeschält werden, sondern erhalten bleiben. Bis zum Beginn der Landesgartenschau im Frühjahr 2026 blieb er der natürlichen Sukzession überlassen. Folglich wurden auch keine ergänzenden Pflanzungen vorgenommen. Parallel zur Erosion der Blöcke wird nicht nur auf der freien Fläche, sondern auch zwischen den Blöcken mit einer wilden Sukzession gerechnet.

Raumgliederung und Blickbegrenzung

Als verbindendes Element, über die Grenzen der drei Räume hinaus, werden zusätzlich Stoffe eingebracht. Diese verhindern, dass Besuchende den Garten auf einmal überblicken können und verstärken so den individuellen Entdeckungscharakter des Gartens. Die Herstellung der Vorhänge wurde von den Studierenden übernommen: Dazu wurden aus großen Stoffbahnen acht Vorhänge zugeschnitten und genäht. Anschließend wurde der Stoff mit Naturmaterialien gefärbt. Zum Färben der Stoffe wurden Gräser, Erde und Blätter, die in der nahen Umgebung der Entwurfsfläche zu finden sind, gesammelt. Thematisch ergänzen die gefärbten Vorhänge den Garten perfekt, da auch sie den bewussten Umgang mit natürlichen und endlichen Ressourcen, deren (Nutzungs-)Möglichkeiten und Wert aufzeigen.
Der Schaugarten hebt sich von klassischen Themengärten deutlich ab. Deswegen werden die Besuchenden mithilfe einer kleinen Galerie im südwestlichen Randbereich des Raumes über das Thema des Gartens, die Gestalter:innen und den Bauprozess mittels Text und Grafiken informiert.

Die Bauphase

In der vierten Projektphase setzten die Studierenden ihren Entwurf gemeinsam auf der Fläche um. Unterstützt wurde die Projektgruppe dabei von der Firma Janisch Garten- und Landschaftsbau aus Hannover, die Material, Geräte und zusätzliches Personal zur Verfügung stellten.
Anfang August 2025 begann zunächst eine Arbeitsphase, die von den Studierenden selbstständig geleitet wurde und der Vorbereitung diente. In diesem Zeitraum entstanden die Schalungen sowie die Blöcke aus gestampfter Erde. Ab Mitte August war dann der Zugang auf die eigentliche Schaugartenfläche möglich und innerhalb von etwa vier Wochen wurde der Schaugarten in seinen Grundzügen aufgebaut. Es folgten spätere Arbeitsphasen zur Pflanzung (November 2025), zum Färben der Stoffe und zur Pflege (Anfang 2026). Ab dem 29. April 2026 ist der Garten auf der Landesgartenschau zu erleben.

Die Kooperationspartner

Danksagung

Der Schaugarten entstand im Rahmen des Masterprojektes „Was bleibt wenn nichts bleibt? Die Kunst des zirkulären Bauens“ im Sommersemester 2025 unter der Leitung von Lennart Fischer und Sina Zenke. Die teilnehmenden Studierenden waren: Frederik Dollwet, Johanna Friedrich, Greta Gallenkamp, Miriam Hecht, Suphamas Nusitram, Julius Röber, Genia Wackerhahn und Chengshang Wang. Die Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Firma Janisch.
Unser Dank gilt unseren Dozierenden M.Sc. Lennart Fischer und M. Sc. Sina Zenke für die Idee und Umsetzung des Projektes. Die Herangehensweise von der Gestaltungsidee bis zur späteren Ausführung hat uns viele verschiedene Blickwinkel eröffnet, unser kreatives Denken gefördert sowie das bauliche Können erweitert. Außerdem haben wir den offenen und respektvollen Umgang sowie die gute Zusammenarbeit in unserer Gruppe sehr geschätzt. Ein besonderer Dank gilt der Firma Janisch, ohne die dieses Projekt nicht in dieser Form hätte stattfinden können. Die Firma hat uns mit nötigen Werkzeugen und Material ausgestattet und bei der Ausführung unterstützt, wodurch die Planung schlussendlich umgesetzt werden konnte. Wir bedanken uns für das Vertrauen, dass unsere Dozierenden sowie die Firma Janisch uns entgegengebracht haben, um einen Schaugarten auf der Landesgartenschau 2026 in Bad Nenndorf nach unseren Vorstellungen zu gestalten.

Flyer des Schaugartens zum Download

Schaugarten 10: Was bleibt, wenn nichts bleibt  PDF  

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